„Mit einem Wisch ist alles weg?“ Aus diesem Wortspiel wurde für Christian Stumpe und Marc Bidlingmaier eine konkrete Entwicklungsaufgabe: Wie lassen sich ölhaltige Rückstände und andere Verschmutzungen von den Schienen einer Gartenbahn lösen und aufnehmen, statt sie mit einer einfachen Tuchwalze weiterzuverteilen?
Unter dem Dach der Modern Scale Division (MSD) entstand daraus der Swiffer 2.0 – eine eigens entwickelte Schienenreinigungsmaschine für die Spurweiten 5 Zoll und 7¼ Zoll. Von der ersten Idee über Konstruktion und Fertigung bis zum heutigen Entwicklungsstand vergingen rund sechs Monate.

Vom Vorbild zur eigenen Idee
Der Nordco TRIPP Tie Exchanger ist eine schwere Gleisbaumaschine, die im Vorbild Schwellen aus dem Gleis zieht und neue einsetzt. Besonders die bewegliche Arbeitsbrücke und die beidseitigen Arbeitsköpfe gaben uns einen technischen Denkanstoß. Unser Modell übernimmt jedoch nicht die Aufgabe des Vorbilds: Der Swiffer 2.0 wurde für die Reinigung von Gartenbahnschienen entwickelt.
Öl, Abrieb und Rückstände gezielt lösen
Öl, Abrieb und weitere Rückstände können sich auf der Schienenoberfläche festsetzen. Eine Tuchwalze kann Verschmutzungen aufnehmen, dabei aber auch weitertragen. Deshalb setzen wir auf einen mehrstufigen Reinigungsablauf:
- Benetzen: Kaltreiniger wird aus den vorderen Behältern zu den Tropfölern geführt.
- Dosieren: Die Tropföler geben den Reiniger kontrolliert auf die Schiene ab.
- Bürsten: Rotierende Bürsten lösen den Belag. Sie erreichen bis zu 5.000 Umdrehungen pro Minute. Messing- und Nylonbürsten werden am Prototyp erprobt.
- Abziehen: Beidseitige Abzieher nehmen die gelösten Rückstände anschließend von der Schiene auf.
Welche Bürsten sich am besten bewähren, ist Teil der laufenden Erprobung. Wir vergleichen verschiedene Materialien und Ausführungen, bevor wir die passende Kombination festlegen.
Hydraulik für Arbeitshöhe und Spurweite
Die Arbeitsbrücke lässt sich hydraulisch heben und senken. So kann die Reinigungseinheit an die Schiene herangeführt und zum Umsetzen wieder angehoben werden.
Auch Tropföler, Bürsten und Abzieher können links und rechts hydraulisch aus- und eingefahren werden. Dadurch lässt sich die Arbeitseinheit auf die jeweilige Spurweite einstellen und zwischen 5 Zoll und 7¼ Zoll wechseln.
Eigenentwickelte Getriebeantriebe und BEIER-Steuerung
Für die Nebenantriebe haben wir eigene Getriebeantriebe entwickelt. Die vier Motoren werden über die BEIER-Electronic SFR-1-D angesteuert. Das Sound-Fahrtreglermodul stellt vier Motorausgänge bereit; über die Steuerung werden die Antriebe sowie die Programmierung der Lokomotive und der Hydraulik zusammengeführt.

Komplexe Formen additiv gefertigt
Viele Bauteile besitzen anspruchsvolle Geometrien. Für solche Formen erleichtern SLM- und BJ-Metallverfahren die Fertigung gegenüber einem aufwendigen Aufbau aus vielen einzelnen Blechen. Die additive Fertigung eröffnet mehr Freiheit bei der Konstruktion und vereinfacht die Umsetzung komplexer Bauteile.
In sechs Monaten vom Design zum Prototyp
Der Swiffer 2.0 ist in rund sechs Monaten vom Design bis zum heutigen Entwicklungsstand entstanden. Verantwortlich für Design und Bau sind Christian Stumpe und Marc Bidlingmaier – entwickelt unter der Fahne der Modern Scale Division.
Der Prototyp wird weiter erprobt. Besonders bei der Wahl der Bürsten sammeln wir noch praktische Erfahrungen. Unser Ziel: Schienenverschmutzungen gezielt lösen und aufnehmen – mit einem Wisch ist alles weg?
Swiffer 2.0 – Dem Schmutz geht’s an die Schiene.
Mehr zum Vorbild: Nordco TRIPP Tie Exchanger.
MSD Eigenentwicklung / Schienenreinigung
Swiffer 2.0
Schienenreinigung.
Wie wir aus einer Idee für saubere Schienen einen Prototyp für 5 Zoll und 7¼ Zoll gebaut haben. Ein Blick in unsere Konstruktion und Werkstatt.
Öl und Abrieb auf den Schienen – das Thema kennen wir von unseren Fahrtagen. Irgendwann wollten wir dafür etwas Eigenes bauen. Daraus ist der Swiffer 2.0 geworden.
Wir, Christian Stumpe und Marc Bidlingmaier, haben das Projekt unter der MSD-Fahne gemeinsam gezeichnet und gebaut. Vom ersten Entwurf bis zum jetzigen Prototyp lagen ungefähr sechs Monate. Ganz fertig ist er noch nicht, aber zum Zeigen hat es schon gereicht: Beim Echtdampf-Hallentreffen 2026 im Rahmen der Faszination Modellbau in Friedrichshafen stand er als fast fertiger Prototyp auf unserem Stand.

Warum ausgerechnet der Nordco TRIPP?
Beim Vorbild haben wir uns den Nordco TRIPP Tie Exchanger angeschaut. Die große Maschine wechselt Schwellen aus. Uns haben vor allem die bewegliche Arbeitsbrücke und die Arbeitsköpfe auf beiden Seiten interessiert. Das passte gut zu unserer Idee – auch wenn unser Modell später etwas anderes machen soll: Schienen reinigen.
Erst einmal alles im CAD unterbringen
Vor dem Bauen haben wir die Baugruppen im CAD zusammengebracht. Führerhaus, Antriebe und Reinigungseinheit brauchen ihren Platz; gleichzeitig muss sich die Arbeitsbrücke bewegen können. In der Seitenansicht sieht man gut, wie wir diese Teile angeordnet haben.

Öl lösen, bürsten, abziehen
Uns war wichtig, den öligen Belag nicht einfach nur auf der Schiene zu verteilen. Deshalb probieren wir eine Kombination aus Kaltreiniger, Bürsten und Abziehern aus. Der Ablauf ist so gedacht:
- Reiniger bereitstellen. In die vorderen Behälter kommt Kaltreiniger. Von dort wird er zu den Tropfölern geführt.
- Dosiert benetzen. Die Tropföler geben den Reiniger auf die Schienen ab. Die Menge lässt sich einstellen.
- Den Belag lösen. Danach kommen die rotierenden Bürsten zum Einsatz, mit bis zu 5.000 Umdrehungen pro Minute.
- Rückstände abziehen. Hinter den Bürsten sitzen die Abzieher, die den gelösten Schmutz von der Schiene nehmen sollen.
Welche Bürsten sich dafür am besten eignen, ist noch nicht entschieden. Am Prototyp testen wir Messing- und Nylonbürsten. Was sich im Betrieb bewährt, müssen die nächsten Versuche zeigen.
Eine Arbeitsbrücke für zwei Spurweiten
Die komplette Arbeitsbrücke lässt sich hydraulisch anheben und absenken. Tropföler, Bürsten und Abzieher sind außerdem auf beiden Seiten verstellbar. Damit können wir die Reinigungseinheit auf 5 Zoll oder 7¼ Zoll einstellen.
Hier sieht man die Konstruktion des ausziehbaren Ölerträgers. Die beiden Seiten lassen sich auseinander- und wieder zusammenschieben, damit die Öler über den jeweiligen Schienen stehen.

Getriebe und Steuerung
Für die Nebenantriebe haben wir eigene Getriebeantriebe entwickelt. Die Steuerung übernimmt die BEIER-Electronic SFR-1-D. Über ihre vier Motorausgänge und die Programmierung werden die Antriebe sowie die Funktionen von Lok und Hydraulik zusammengeführt.

Die Lautsprecher gleich mit eingeplant
Auch im Führerhaus haben wir schon bei der Konstruktion Platz für den Sound vorgesehen. In der CAD-Ansicht sind die beiden Lautsprecher rot dargestellt. So konnten wir ihre Position früh festlegen und mussten den Platz dafür nicht erst am fertigen Gehäuse suchen.

Manche Formen lieber drucken als aus Blechen bauen
Einige Formen hätten sich nur mit vielen einzelnen Blechen und Verbindungen nachbauen lassen. Deshalb haben wir für komplexe Formen SLM und BJ-Metallfertigung genutzt. Das hat uns die Umsetzung der Konstruktion an diesen Stellen erleichtert.
Wie geht’s weiter?
Nach dem Aufbau und der Ausstellung geht es jetzt darum, die noch offenen Arbeiten fertigzustellen und das Reinigungskonzept im Betrieb auszuprobieren. Besonders bei der Bürstenwahl wollen wir erst Erfahrungen sammeln, bevor wir sagen, was wirklich am besten funktioniert.
Der Name bleibt jedenfalls: Swiffer 2.0. Ob es am Ende wirklich „mit einem Wisch“ klappt, werden die Versuche auf der Schiene zeigen.
Ausgestellt beim Echtdampf-Hallentreffen 2026 · Faszination Modellbau · Friedrichshafen.
